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"PAUL: Ein Alien auf der Flucht" - Jeder ist ein Alien: Paul wird entdeckt
Datum: 24.07.2011 | Quelle: DVD-Datenbank | Autor: NS
DVD-Datenbank.com NewsDas notorisch regnerische Wetter in England gefährdet regelmäßig Picknicks, sorgt für Staus auf Autobahnen und bringt die Drehpläne zahlreicher Filme durcheinander. Ein unerwarteter Vorteil des miesen Wetters war allerdings, dass es indirekt zur Entwicklung des Comedy-Abenteuers "Paul - Ein Alien auf der Flucht" führte.

Während der verregneten Dreharbeiten von Simon Peggs erstem Film, der Zombie-Komödie "Shaun of the Dead", fragte ihn die Produzentin Nira Park nach seinen nächsten Plänen. Genervt von den wetterbedingten Verzögerungen schwor Pegg, dass er seinen nächsten Film unbedingt in einem warmen, trockenen Klima drehen wollte. Lachend meinte er: "Lass uns einen Film machen, wo es niemals regnet. Vielleicht in der Wüste."

"An diesem Tag gab mir Simon während des Mittagessens die Zeichnung eines Außerirdischen mit der Überschrift: ,In Amerika ist jeder ein Alien.'", erinnert sich Park. "Er sagte: ,Das ist unser nächster Film - ein road trip mit einem Alien.' Wir unterhielten uns noch ein bisschen darüber, wie so ein Film im amerikanischen Süden gedreht werden könnte. Ich befestigte die Zeichnung später an meiner Notizwand und begann, weiter darüber nachzudenken. Schon bald war ich überzeugt: ,Was für eine brillante Idee!'."

In den folgenden Jahren waren Pegg und sein regelmäßiger Regisseur und Partner Edgar Wright mit anderen Projekten beschäftigt für ihre Produktionsfirma Big Talk Pictures, die sie gemeinsam mit Park betreiben. Dort entstand auch die Action-Comedy "Hot Fuzz - Zwei abgewichste Profis", der zweite Erfolg des Unternehmens.

"Am Ende von ,Hot Fuzz' sprach ich Simon auf seine alte Idee an", erinnert sich Park. "Ich sagte: ,Warum schreibst du nicht einfach die erste Szene, nur um zu sehen, wie es wäre?' Zehn Minuten später präsentierte mir Simon eine Szene und die war einfach fantastisch." Park schickte eine Kopie an Eric Fellner von Working Title Films, der erfolgreichen britischen Produktionsfirma, die die vorigen Projekte von Big Talk Pictures finanzierte.

Fellner erinnert sich an den Tag: "Nira schickte mir das treatment, und ich war sehr gespannt, was Nick und Simon ausgetüftelt hatten. Naturgemäß geht es bei einem road trip darum, Orte und Menschen zu entdecken, die man zuvor nicht kannte. Als ich las, wie dieses Konzept mit einer Alien-Komödie verknüpft wird, war ich begeistert."

Nachdem sie die Reaktion von Fellner gehört hatte, telefonierte Park mit Pegg. "Ich erzählte ihm: ,Er will es machen!'", erinnert sich Park an das Gespräch. ",Wer möchte was machen'? antwortete er und ich sagte: ,Das Ding!' Als wir mit dem Projekt begannen, fiel uns ein, dass sechs Jahre vergangen waren, seit Simon mir diese Zeichnung gegeben hatte. Ich machte eine Kopie und gab sie am ersten Drehtag unserem Regisseur Greg Mottola."

"Paul - Ein Alien auf der Flucht" ist das erste Drehbuch, das Pegg gemeinsam mit seinem regelmäßigen Schauspiel-Partner und engen Freund Nick Park geschrieben hat. "Nick und ich arbeiten seit zehn Jahren zusammen und sind noch länger Freunde", berichtet Pegg. "Die Zusammenarbeit war eine interessante Erfahrung, weil wir die Dynamik unserer Figuren dieses Mal leicht verändert haben. In den anderen Filmen, die ich mit Edgar Wright schrieb, spielte ich die Hauptfigur und Nick war der sidekick. In diesem Film sind wir gleichberechtigt. Der von Nick gespielte Clive ist sogar etwas dominanter und selbstbewusster, während meine Figur Graeme am Anfang eher ein Mauerblümchen ist."

Bevor sie mit dem Schreiben begannen, unternahmen Pegg und Frost eine Reise im Wohnmobil quer durch den amerikanischen Westen. Nach dem Start im kalifornischen Los Angeles reisten sie durch etliche Staaten, bis sie in Denver, Colorado, am Ziel ankamen. Diese Exkursion verschaffte ihnen wertvolle Erfahrungen für die Entwicklung ihrer Geschichte. Ironischerweise gerieten sie bei ihrer Reise in furchtbar schlechtes Wetter, inklusive Schnee und so tiefen Temperaturen, dass die Batterie des Wohnmobils einfror. Dennoch bewertet Pegg den Trip als außergewöhnlich und inspirierend. "Wir lernten sehr viel über die Landschaft. Dieses bemerkenswerte Land ist unglaublich schön, es kann sehr einladend und gleichzeitig abweisend sein."

Überrascht war Frost vom Ausmaß ihres Unternehmens. "Auf diese unheimliche Größe von Amerika waren wir nicht vorbereitet", gesteht er. "Man schaut auf die Karte und denkt, in drei bis vier Tagen ist man am Ziel. Doch nach zehn bis elf Stunden Fahrt ist man erst 500 Kilometer weiter und hat noch 3.000 Kilometer vor sich. Wir sind pausenlos gefahren, von acht Uhr morgens mit zehn Uhr nachts. Zu alledem kam noch das Wetter. Als wir nach Nevada kamen, begann es zu schneien und es hörte nicht auf bis zum Ende der Reise. In Teilen von Wyoming und Colorado war es so kalt, dass das Bier in der Dose und das Shampoo in der Flasche einfror", amüsiert sich Frost. "Ich glaube, wir haben unser Wohnmobil zur Strecke gebracht."

Etliche dieser Reiseerfahrungen wurden im Drehbuch verarbeitet. "Wir kamen tatsächlich in eine Bar namens Little A'Le'Inn und der Zwischenfall mit den Dummköpfen ist uns passiert", erinnert sich Pegg. "Da kamen diese zwei Typen auf uns zu, die waren vielleicht nicht ganz so bedrohlich wie im Film, aber plötzlich wurde die Atmosphäre sehr frostig. Den Vogel, der auf die Windschutzscheibe knallt, gab es ebenfalls. Jeden Tag machten wir neue Erfahrungen. Es war ein echtes Abenteuer. Wir hatten sehr viel Spaß und hätten den Film ohne diese Reise nie schreiben können."

Weil es etwas schwierig war, einen echten Außerirdischen für ihre Reise aufzutreiben, sah sich das Duo nach einem angemessenen Ersatz um. Ein befreundeter Künstler von Pegg schuf die Büste eines Alien und nannte ihn Paul. "Auf allen Fotos, die sie uns von der Reise schickten, war auch immer Paul zu sehen", erzählt die Produzentin Park. "Das inspirierte sie und brachte Leben in die Sache. Plötzlich waren beide überzeugt, dass es wirklich funktionieren könnte."

Nach dem Ende ihrer Reise schauten sich Pegg und Frost über 50 Filme mit Aliens und road trips an. "Danach setzten wir uns zusammen und entwickelten die Ideen", erinnert sich Frost. "Als Simon für einige Zeit mit ,New York für Anfänger' beschäftigt war, wir aber ein Skript benötigten, zog ich mich ein paar Wochen zurück und schrieb ein dickes Drehbuch mit 180 Seiten. Als Simon zurückkehrte nahmen wir dieses Monstrum und zerlegten es vollständig. Wir behielten, was gut war. Und warfen den Rest über Bord. An Simons großem Bildschirm konnte ich mitverfolgen, was er schrieb. Wir diskutierten über jeden einzelnen Satz, manchmal sogar stundenlang."

So entstand ein Comedy-Abenteuer, das mehr ist als die Geschichte eines Besuchers, der weit weg von zuhause ist. "In gewisser Weise ist jeder in diesem Film ein bisschen ein Alien", erläutert Pegg. "Das war für uns ein Schlüssel beim Schreiben: Die Idee, dass Leute nicht dort sind, wohin sie gehören. Und dass sie umgekehrt lernen, dort zu leben, wohin sie nicht gehören."

Die Suche nach einem Regisseur begann - und endete, als Greg Mottola vorgeschlagen wurde. Dessen einziger Film war seinerzeit "Seitensprung in Manhattan", ein independent-Film, den Park und Pegg gleichermaßen sehr mochten. Doch Mottola hatte bereits sein nächstes Projekt namens "Superbad" abgedreht und als er diese Komödie den beiden vorführte, waren sie sicher, den richtigen Mann gefunden zu haben. "Gregs Filme haben ein gewisses Feeling und eine Leichtigkeit", erläutert Pegg. "Er schafft es, das Gefühl eines indie-Filmes in das mainstream-Kino einzubringen."
Das erste Treffen von Mottola und Pegg fand in einem New Yorker Restaurant statt, ausgerechnet an jenem Tag als "Superbad" in den Kinos startete. Pegg erläuterte das Konzept von "Paul - Ein Alien auf der Flucht" und Mottola war begeistert von der Idee, dass gewöhnliche Menschen in außergewöhnliche Situationen geraten. "Nick und Simon haben smarte und interessante Figuren geschaffen, zudem finde ich sie auch als Schauspieler wirklich attraktiv", erläutert Mottola. "Gemeinsam entwickeln sie eine besondere Chemie, die man gerne anschaut. Das liegt wohl auch daran, dass beide so enge Freunde sind, die sich mit großer Leichtigkeit gegenseitig zum Lachen bringen können."

Sechs Monate später erhielt Mottola das Drehbuch zu "Paul - Ein Alien auf der Flucht". Der Regisseur erinnert sich: "So wie ,Shaun of the Dead' von Zombies handelte und ,Hot Fuzz - Zwei abgewichste Profis' von Actionfilmen, war ,Paul' eine Hommage an die Science-Fiction-Filme der späten 70er Jahre und das Genre insgesamt. Für mich steckt sehr viel Nostalgie in diesem Stoff. Die beiden schrieben den Film als echte Fans des Genres."

Ausschlaggebend für dieses Projekt war für Mottola sein Bauchgefühl. "Mein Prinzip ist es, dass ich mich dann für einen Film entscheide, wenn ich das Gefühl habe, dass ich ihn auf einzigartige Weise drehen kann", erläutert der Regisseur. "Ich brauche das Gefühl, dass ich den Stoff anders umsetzen kann als andere."

Die folgenden Treffen mit Mottola bestärkten Big Talk und Working Title, die richtige Wahl getroffen zu haben für einen Regisseur, der Komödie und Action bestens verbinden kann. "Es war klar, dass er den Film machen würde, der uns vorschwebte", sagt Park. "Überzeugend für uns war auch sein visuelles Konzept. Er wollte ,Paul' so machen, dass er wie von Spielberg aussah. Seine leidenschaftliche Darstellung hat uns völlig überzeugt. Nach dem Treffen mit Greg war unsere Entscheidung klar. Greg war sehr interessiert an den Figuren, was für uns sehr wichtig war."
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